Verarbeitung

Im April 2020 baute Berni auf einem Acker zum ersten Mal Sonnenblumen an. Das hat sich in seiner Fruchtfolge so ergeben – man braucht einfach Abwechslung und die Kultur muss zu den Voraussetzungen des Bodens passen. Da die Böden recht steinig sind, ist es mit Kulturen, deren Früchte bis zum Boden reichen, nicht so einfach. Der Mähdrescher müsste so tief abschneiden, dass man auch Steine erwischen könnte. Und das kann große Schäden anrichten. Also braucht man Kulturen, deren Früchte weiter oben wachsen. Die Sonnenblume gilt als recht unkompliziert und sie wird an die 3 Meter hoch. 

Klingt erstmal gut, Ölfrüchte kann man im Bio-Bereich auch ganz gut über den Verband vermarkten… also einfach ausprobieren. 

Der Acker ist an einer beliebten Spazierstrecke gelegen. Da gibt es Sitzbänke mit Aussicht zum Kloster Andechs – Zugspitze im Hintergrund… fertig ist das Postkartenmotiv 🙂 Allerdings hat das auch Sorgen bereitet: Was, wenn die Leute die schön blühenden Pflanzen abschneiden und als Deko mit nach Hause nehmen? Gar nicht aus böser Absicht, sondern weil sie es vielleicht nicht besser wissen?

„Da stellen wir ein Schild hin, gleich vorne, wo eigentlich jeder vorbei kommt.“ Wir wiesen darauf hin, dass die Sonnenblumen zur Ölgewinnung seien und man sie doch bitte nicht pflücken sollte. Das hat super geklappt – ich glaub die einzigen 3 Blumen, die am Ende gefehlt haben, habe ich selber abgeschnitten…

Irgendwann spaßten wir herum, wie cool das wäre, wenn man dann einfach selbst Öl pressen könnte und das direkt am Hof verkauft. Aus Spaß wurde Ernst und wir informierten uns, wie das alles funktioniert.

Es gibt einige Hersteller von Ölpressen. Uns war wichtig, dass wir einen möglichst regionalen Hersteller finden. Und tatsächlich ist die Firma Öltech in München ansässig. Die Edelstahlteile werden südlich von München gefertigt. Natürlich schlägt sich das im Preis nieder, aber wir stehen ja für Nachhaltigkeit und höchste Qualität. Insofern war es mir wichtig, dass man hier keine Kompromisse eingeht. So eine Maschine ist nicht günstig und die Investition für mich schon eine ziemliche Hausnummer. „Zum Glück“ war im Jahr 2020 ohnehin kein Urlaub möglich… ich atmete tief durch, packte mein Erspartes zusammen und bestellte die Maschine. Ich wollte einfach wissen, ob es funktioniert.

Was ich definitiv unterschätzt hatte, sind die Kosten, die dann noch für die Produktion dazukommen. Klar hatten wir das im Vorfeld alles kalkuliert, aber vermutlich ist es wie beim Hausbau: es wird am Ende immer doch noch teurer. Und auch unterschätzt hatte ich den Arbeitsaufwand. Wie viel Zeit wir gerade anfangs investiert haben, um überhaupt starten zu können. Bis man lernt mit so einer Maschine umzugehen. Wie der Rohstoff ganz konkrete Bedingungen erfüllen muss, damit man ihn pressen kann… es ist echt eine Wissenschaft. 

Im November war es soweit: wir öffneten immer samstags das Tor unserer Produktionsgarage. Man kann live beim Pressen zuschauen und natürlich Öl kaufen. Auch meine Kartoffeln biete ich bei dieser Gelegenheit an. Der Begriff „Hofladen“ wäre sicherlich übertrieben und schon fast beleidigend für alle, die das richtig machen. Die Tatsache, dass es sich um eine Garage handelt, spiegelt die Atmospähre ganz gut wider 🙂

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