Bio-Landwirtschaft

Alling: der Müller-Hof

Meine Familie stammt aus Alling im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort liegt das alte Hofgelände mitten im Ort, direkt am Bach und nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt. Das musste damals auch so sein, denn man betrieb eine Gast- und Tafernwirtschaft. Damit war das Schank- und Herbergsrecht verbunden und man durfte Feste ausrichten. Später gab man das mit dem Beherbergen auf, die letzten Feste fanden statt als ich ein Baby war – in den 80er Jahren. Zuletzt war meine Oma die Chefin und schmiss den Laden. Als sie 1990 krank wurde, musste man schließen – und öffnete nie mehr wieder.

Der Stammbaum unserer Familie konnte bis ins späte 14. Jh. zurückverfolgt werden. Spannend finde ich auch immer die Geschichten über die Ortsentwicklung und wer damals welche Funktion hatte. Das kann man zum Teil noch aus den Hausnamen ableiten – in unserem Fall „Wirt“. 

Aber nicht nur die Gastwirtschaft betrieb man, sondern eben auch – oder: vor allem – die Landwirtschaft. Mein Opa arbeitete noch mit Ochsen und Pferden, die den Pflug zogen. Er war ein eher einfaches Gemüt und am liebsten mit den Tieren beschäftigt. Unterstützt wurde er von klein auf von seinen beiden großen Schwestern, die beide unverheiratet waren und dem Hof sozusagen dienten. Die älteste, Maria, war diejenige, die alles organisierte. Sie war die inoffizielle Chefin auf dem Betrieb. Als beide Schwestern in den 70er Jahre starben, war mein Vater noch nicht ganz fertig mit der Schule und war von jetzt auf gleich der Chef. 

Mein Vater stellte später den Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung um und entschied sich, Mitglied im Verband Bioland zu werden. Seit dieser Umstellung bauen wir auf unseren Flächen wieder Kartoffeln an.

Seit 2020 gehört der Betrieb nun meinem großen Bruder. Er ist wie ich berufstätig in einem anderen Bereich und will den Betrieb im Nebenerwerb weiterführen. Und die nächste Generation ist auch schon da 🙂

Hechendorf: der Neumüller-Hof

Ich bin ganz schön rumgekommen – von Alling hab ich es knappe 20km weiter nach Hechendorf geschafft…

Berni und ich haben uns im Bildungsprogramm Landwirtschaft kennengelernt. Im Jahr 2015 haben wir gleichzeitig mit dem Programm begonnen und die Schulbank montagsabends gedrückt. Dort treffen sich so einige Bauernkinder, die einen Betrieb zuhause haben und selbst einen anderen Beruf erlernt haben. Meinen Werdegang habe ich ja schon beschrieben, Berni ist gelernter Fluggerätemechaniker. Wir saßen nebeneinander, haben uns vom ersten Moment an gut verstanden – und der Rest ist Geschichte.

Jedenfalls hat Berni den Betrieb seines Vaters übernommen, den Neumüller-Hof in Hechendorf am Pilsensee. Ursprünglich hieß der Hof „Schegg“, bis Bernis Uroma einen ledigen Buben mit in die Ehe brachte, der Ihren Namen, Neumüller, trug. Er erbte den Betrieb und seitdem wird er von den Neumüllers weitergeführt. 

Seit 2017 ist der Hof auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt und Berni ist Mitglied im Verband Naturland. Die ersten beiden Jahre gelten ja als Umstellungsphase und die Erzeugnisse werden als sogenannte „U-Ware“ vermarktet. Erst im dritten Jahr hat man die richtige ökologische Ware („A-Ware“). Deshalb probiert er gerade noch einiges aus, was gut in seine Fruchtfolge passen würde. Und so kam es auch zu dem Versuch, im Jahr 2020 die Sonnenblumen zu säen. Gleichzeitig probierte er im Rahmen seines Meisterprojekts den Anbau von Speiselinsen aus, was ebenfalls ganz gut funktioniert hat.

Ackerbaulich liegt Hechendorf schon sehr an der Grenze. Die Böden sind zum Teil sehr schwer und es gibt unheimlich viele Steine, wodurch viele Kulturen nicht sinnvoll angebaut werden können. Deshalb kommen die Kartoffeln weiterhin aus Alling, wo wir sandigere Böden mit weniger Steinen haben. 

Warum verkauft jetzt eigentlich „Fräulein Müller“ die Produkte vom Neumüller-Hof? Warum macht Berni das nicht selber? Oder ich, unter seinem Namen? Das hat viele Gründe… Mein Gewerbe als „Fräulein Müller“ hatte ich einfach schon. In Hofläden darf man immer nur eigene Erzeugnisse verkaufen. Sobald man zukauft, oder verarbeitet (wie meine Pralinen und Lebkugeln), ist man sowieso gewerblich unterwegs. Deshalb kann man das einfach auch von vornherein trennen. Außerdem hat so auch jeder ein bisschen „seins“. Berni ist Ackerbauer und gut darin, die Produkte zu erzeugen. Ich wiederum bin eher diejenige, die ein Händchen für die Verarbeitung und Vermarktung hat. 

Ja und dann gibt’s bei mir ja auch noch den zweiten Betrieb, den meines Bruders in Alling – wo auch die Kartoffeln herkommen. Dieser Kombi kann ich am besten Rechnung tragen, wenn ich es so mache, wie ich es mache… 

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